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Kneipenabend GEAS mit Women in Exile und Lea Reisner

Flo

Die GEAS-Reform im Blickwinkel betroffener Menschen und linke Perspektiven für Verbesserung

Merkste Selba?! Kneipenabend am Freitag, 26.4., in der BAIZ

Zunächst stellten die Vertreterinnen der Hilfs- und Netzwerkorganisation Women in Exile & Friends (WiE) ihre Arbeit vor. Das Kollektiv unter der Überschrift „Flüchtlingsfrauen für Flüchtlingsfrauen“ wurde 2002 in Brandenburg gegründet. Einschneidend war hier die Erfahrung der doppelten Diskriminierung: Durch rassistische Gesetze und als Frauen*. WiE als Gemeinschaft geflüchteter FLINTA*-Personen (of Colour) bietet anderen geflüchteten FLINTA*-Personen auf vielen Ebenen Hilfe an. Das „& Friends“ entstand 2011 beim Zusammenschluss mit feministischen Aktivistinnen (nicht geflüchteten Menschen), als solidarischer Brückenschlag.

Die WiE-Sprecherinnen eröffneten uns die Perspektive von migrantisch gelesenen FLINTA* auf der Flucht, und erzählten von konkreten Fluchterfahrungen. Wir hörten von den schlechten Lebensumständen in den Camps, hier in Deutschland und in Europa, die sexuelle Übergriffe und Mord mit einschließen. Dann kam Lea Reisner zu Wort. Lea ist Die Linke Kandidatin für das EU-Parlament und Seenotretterin. Sie berichtete über ihre Erfahrungen aus dem sogenannten Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos. Sie hat das Camp mehrfach besucht, vor Jahren und aktuell erst wieder, und wusste von den dortigen katastrophalen Zuständen zu berichten. Die Menschen leben unter Umständen und unter Anderem auch haftähnlichen Bedingungen, dass (weitere) humanitäre Krisen vorprogrammiert seien.

Alle unsere Sprecher*innen machten mehrfach deutlich, dass die GEAS-Reform die Situation für Geflüchtete und Flüchtende nur noch weiter verschlimmert. Lea hob hervor, dass die Reise für Menschen auf der Flucht noch immer schlimmer und tödlicher gemacht werden kann, dass aber dennoch die Menschen weiterhin versuchen werden, nach Europa zu kommen: Sie haben einfach keine Wahl. Deshalb brauchen wir eine humanitäre und menschenwürdige Asyl- und Migrationspolitik.

Kurz angerissen wurde auch die (teilweise absurde) Debatte um Push- und Pull-Faktoren, wie sie in den Medien stattfindet und von Politiker*innen nicht selten instrumentalisiert wird. WiE machte deutlich, dass Menschen - und vor allem Frauen* - nur dann flüchten, wenn es wirkliche, also lebensbedrohende Gründe gibt, das Heimatland zu verlassen. Rechte Narrative, wie z. B. Bargeld als Pull-Faktor, seien eindeutig rassistischer Populismus. Andererseits würden Fluchtursachen, die auf den globalen Norden zurückzuführen seien - der Klimawandel und seine Folgen - von den Ländern des globalen Nordens ironischerweise nicht anerkannt, und hätten in „öffentlicher Debatte“ zu wenig Raum.

Eine weitere Dimension der Diskriminierung entstehe aus der unterschiedlichen Behandlung von Geflüchteten aus der Ukraine. Sie sind weiß / europäisch-gelesen und erfahren Vorzüge, im Gegensatz zu nicht-weiß / nicht-europäisch-gelesenen Geflüchteten, wie es z. B. unsere WiE-Sprecherinnen sind. So entstehe nicht „nur“ doppelte Diskriminierung - nämlich als Migrantin und als Frau* - sondern eine dreifache Diskriminierung: 1. als Frau* , 2. als Frau* auf der Flucht bzw. migrantische Frau*, und 3. als flüchtende oder geflüchtete Frau*, die nicht-weiß gelesen ist und entsprechend diskriminiert wird. Es braucht nicht viel Phantasie, dieses Leid zu ahnen.

Dann ging es um die Rolle von privilegierten Menschen hier in Deutschland, und wie diese konkret Geflüchteten helfen können. Basisch wichtig sind hier Sach- und Geldspenden und soziales Engagement im Allgemeinen, im Besonderen zum Beispiel das Anbieten eines Schlafplatzes. WiE & Friends finanziell unterstützen kannst Du hier ganz einfach.

In Debatten nach dem Vortrags- und Frageteil wurde konstruktiv besprochen, was unter Anderem Die Linke tun kann. Lea Reisner möchte Druck auf den Bundesvorstand machen, um eine Strategiepapier zum Thema Asyl und Migration zu verfassen. Sie hat zahlreiche konkrete Ideen für eine linke Asylpolitik.

Wir als Merkste Selba danken den Sprecherinnen von WiE und Lea Reisner für ihre Zeit, für ihre Offenheit und den Input. Wir empfinden großen Respekt für diese Kämpfe und möchten Dich auffordern, zu helfen, wo es geht. Schau auf die Website von WiE & Friends, trage Dich in die Mailingliste ein, um auf dem Laufenden zu sein. Kauf das Buch „Breaking Borders To Build Bridges“, das berührend und motivierend ist. Folge dem Instagram-Kanal von Lea und biete auf diese Weise Support...

… und bleibe dabei und dran!

Wir danken unserer Genossin E. für die Organisation, den Kontakt zu WiE und die Moderation des Abends. Ebenso danken wir der BAIZ für die Unterstützung. Es ist großartig und immer wieder so hilfreich und herzig, dass ihr unseren Abenden Raum und Bühne und technischen Support bietet.

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