Vielfalt ist unsere Stärke – Interview mit Jonas Teune
Lieber Jonas, du bist der Kandidat der Linken Pankow für das Bezirksbürgermeisteramt. Warum willst du Pankower Bürgermeister werden?
Wir brauchen eine Politik, die zuhört und das Verbindende sucht. Die Vielfalt unseres Bezirks ist eine große Stärke. Das zeigt sich in zahlreichen Initiativen und Projekten, die jeden Tag für ein besseres Miteinander arbeiten. Sie brauchen aber auch einen verlässlichen Partner im Rathaus, der sie unterstützt und nicht blockiert.
In Pankow – wie in ganz Deutschland – gibt es ein großes Gefühl der Unsicherheit. Kann ich mir meine Miete noch leisten? Werde ich ein akzeptierter Teil dieser Gesellschaft sein? Werde ich mich in meinem Kiez noch wohlfühlen?
Auf diese Fragen möchte ich als Bürgermeister Antworten geben: Ich sage dem Mietenwahnsinn den Kampf an und möchte, dass Jugendliche auf der Straße von Sozialarbeitern angesprochen werden, nicht von Nazi-Kadern.
Was hat dich politisch besonders geprägt?
Die ersten Demos auf die ich gegangen bin, waren 2002 gegen den Afghanistankrieg. Mich hatte damals schon nicht überzeugt, dass die richtige Reaktion auf einen Terroranschlag ein Krieg gegen ein anderes Land ist. Tragischerweise wiederholt sich diese Geschichte immer wieder.
In meinen längeren Auslandsaufenthalten 2007 in Israel, 2009-10 in Ungarn und 2014-2016 in Moldova habe ich Deutschland aus der Außenperspektive kennengelernt – deutsche Hybris und Untergangswahn relativiert das deutlich.
2016 trat ich in die Pankower Linke ein und fand hier meine politische Heimat: eine Partei mit einem sehr praktischen Verständnis von Linkssein und Politik, das an der konkreten Verbesserung unserer jetzigen Gesellschaft interessiert ist. Wichtig ist mir auch die feste Verwurzelung außerhalb der Politikblase, die häufig mit ihren eigenen Kämpfen und Diskussionen beschäftigt ist.
Auf deinen Plakaten steht „Kieze erhalten“ und „Antifaschismus leben“. Warum hast du dich für diese Slogans entschieden?
Die beiden Sprüche bringen meine Ziele auf den Punkt. Ich möchte, dass wir in Pankow Antifaschismus leben – das bedeutet, dass wir gemeinsam, als Gesellschaft, in unseren Vereinen, Schulen, Kleingärtenanlagen oder Freundeskreisen sagen: Wir akzeptieren keine Diskriminierung, keinen Antisemitismus, keine Abwertung von Menschen. Probleme lösen wir gemeinsam, nicht auf Kosten derer, die angeblich anders sind.
Verdrängung von Mieterinnen und Mietern sowie von Gewerbe ist ein großes Problem, das unsere Kieze in ihrer Einzigartigkeit bedroht. Niemand braucht den tausendsten Kettenimbiss, das Café, das aussieht wie überall anders auch, oder ein Wettbüro.

