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Benn trifft Jasmin Tabatabai

Sören Benn im Gespräch mit der Pankowerin Jasmin Tabatabai.

Was macht lockere Talkrunden, wie zum Beispiel Schauspielerin trifft Bürgermeister, eigentlich so interessant? Sind es Erlebnisse des Alltags, die aus Prominenten Menschen von nebenan machen, und erkennen wir, das Publikum, das erst, wenn sie darüber sprechen?

Am Dienstag, 12. Februar, sprachen die Schauspielerin Jasmin Tabatabai und der Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn (DIE LINKE) in der Kulturkantine über Schauspiel und Politik – was verbindet sie, was trennt sie – über die Wiedervereinigung und über Dinge, die sonst noch so passiert sind in den letzten Jahren.

Jasmin Tabatabai hat einen iranischen Vater und eine deutsche Mutter und verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit im Iran, wo sie allerdings eine deutsche Schule besuchte. An diese Zeit hat sie nur gute Erinnerungen und beschreibt die Iraner als sehr warmherzige Menschen. Sie hofft, dass sie eines Tages wenigstens wieder einmal dorthin reisen kann, wenn das Mullah-Regime nicht mehr an der Macht ist.

Sören Benn eröffnete die Runde mit Fragen über die ersten Eindrücke der Schauspielerin von Westdeutschland, Berlin und Ostdeutschland. Dazu hatte Tabatabai eine Menge zu erzählen. Mit einem Lächeln im Gesicht sprach sie über Oktoberfeste ohne Dirndl und Trachten in den 80ern – was heute irgendwie niemand mehr glauben mag – über Fahrten mit dem Fiat 500 von Westdeutschland nach Berlin und Kreuzberg, wo sie am Tag nach dem ersten Mai nicht genau wusste, ob es dort immer so aussieht, und über einen Ost-West Studentenaustausch vor der Wende, der sie an die Leipziger Hochschule für Musik und Theater führte. Dort war sie über die großartige Ausbildung mit zum Beispiel täglichem Einzelunterricht, mehr als erstaunt. 1992 kam sie dann nach Potsdam ans Theater und ist später oft mit einer Träne in den Augen in Berlin mit dem Fahrrad durch das Brandenburger Tor gefahren, etwas dass sie ein paar Jahre vorher, wie viele andere auch, nie für möglich gehalten hätte.

Wie der Tagesablauf in ihrem Beruf denn so sei, wollte Benn, der selbst Schauspiel studiert und auch zwei Jahre als Schauspieler gearbeitet hat, als nächstes wissen. Obwohl sie ihren Beruf sehr liebt, sei er oft sehr anstrengend. Tabatabai erzählte, dass der Dreh manchmal um fünf Uhr morgens beginnt, wenn die Lichtverhältnisse gut sind und oft zwölf bis 14 Stunden dauert für etwa acht Minuten Filmmaterial. Die Szenen werden nicht chronologisch gedreht, weswegen sich Schauspieler laufend auf neue Situationen einstellen müssen und dass auch andere Dinge zu beachten sind, wie zum Beispiel die Beleuchtung, aus der sie sich nicht herausbewegen darf. Aber das sei alles positiver Stress und sie wolle bei dem Thema der Veranstaltung „Schauspiel und Politik - Politik als Schauspiel“ die Gelegenheit nutzen, ihren Beruf ein wenig gegen negative Mythen zu verteidigen. Schauspielerei wird oft als etwas Falsches betrachtet, um jemanden zu täuschen. Dabei sei das Gegenteil richtig, Schauspielerei hat sehr viel mit Empathie zu tun. Aus seiner eigenen Erfahrung mit beiden Berufen, Schauspielerei und Politik, fügte Benn an dieser Stelle hinzu, dass man ja nur andere Figuren spielen könne, aber nicht sich selbst. Politiker werden aber auch deswegen gewählt, weil sie bestimmte Persönlichkeiten haben. Dafür könne und müsse er sich auch seine Texte selbst schreiben, was Schauspieler normalerweise nicht tun. Empathie brauche man aber in beiden Berufen.

Weitere Themen des Abends waren die Situation von Frauen in der Filmbranche, wo nur 10 Prozent der Fördergelder für von Frauen gemachte Filme ausgezahlt würden, nur jeder fünfte Regieposten mit einer Frau besetzt sei und unter den Kameraleuten der Frauenanteil bei miserablen fünf Prozent liegt, der unerträgliche Fluglärm rund um Tegel und die angenehmen Seiten Pankows, wo West und Ost sich so angenehm mischt wie sonst nirgendwo in Deutschland.

In der abschließenden Fragerunde des Publikums ging es unter Anderem auch um die derzeitige politische Situation im Iran, zu der Tabatabai aber nicht viel sagen konnte, da sie kaum noch Kontakte hat, um das Selbstwertgefühl der ehemaligen DDR-Bürger, die sich auch so lange nach der Wiedervereinigung noch manchmal wie Bürger zweiter Klasse fühlen und um allgemeine politische Themen wie etwa Rassismus, der sehr tief im Bewusstsein der Menschen und im alltäglichen Leben verankert sein kann und wo es noch eine Menge zu tun gibt. Sören Benn packte am Ende alle politischen Themen des Abends in einen Rahmen, in dem er sagte: „Wer in der Regierung ist, ist nicht zugleich auch an der Macht. Gesellschaft ist immer in Bewegung und gesellschaftliche Bewegung geht immer vom Volk aus.“ Das wollte er gerne als Aufforderung an jede*n Bürger*in Pankows und auf der ganzen Welt verstanden wissen.

Veranstaltet wurde diese Ausgabe der Reihe „Benn trifft“ von der Basisorganisation Valentin der Pankower LINKEN, die für die Zukunft weitere Talkrunden dieser Art plant.


Text: Oliver Schmitt | Fotos: Peter Born