Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Benn trifft Gysi

Gregor Gysi und Sören Benn. Fotos: J. Teune

Ist das eigentlich interessant, wenn sich zwei zugegebenermaßen profilierte Politiker einer Partei treffen und vor Publikum ein wenig über dies und das plaudern? Ja, das ist es, und zwar dann, wenn die beiden sich doch in Vielem deutlich unterscheiden.

Am 25. Juni um 19 Uhr trafen sich Gregor Gysi, Urgestein der LINKEN, und europaweit politisch aktiv, und Sören Benn, seit 2016 Bezirksbürgermeister von Pankow für die LINKE, in der Kulturkantine an der Saarbrücker Straße. Etwa 150 Leute wollten hören, was die beiden über die aktuelle Situation im Land, auf der Welt und in Pankow zu sagen hatten und einiges davon war ziemlich überraschend.

Zum Beispiel erwähnte Benn, dass die größten Einwanderergruppen in Pankow Italiener und Polen mit je etwa 3.000 Mitgliedern sind, gefolgt von 2.700 US-Amerikanern. 2.400 Syrer leben in Pankow unter 350.000 „Urdeutschen“, so dass von Überfremdung durch Flüchtlinge keine Rede sein kann. Gysi fügte hinzu, dass sich deutschlandweit 12 Flüchtlinge auf 1000 Einwohner verteilen würden, im Libanon seien es aber 164 auf die selbe Anzahl. Die reichen Staaten müssten deshalb die ärmeren bei diesen Problemen finanziell unterstützen. Überhaupt sei die soziale Frage eben keine nationale mehr, sondern die multinationalen Konzerne hätten dafür gesorgt, dass es inzwischen eine globale Frage sei. Nationale Lösungsversuche seien deswegen auf jeden Fall zum Scheitern verurteilt.

Aber Gysi wäre nicht Gysi, wenn er neben den aktuellen politischen Themen nicht auch ein paar Anekdoten erzählen würde. Da war zum Beispiel der Taxifahrer, der ihn fragte, was er hier in der Stadt mache, worauf Gysi sagte: „Den Wahlkampf unterstützen.“ Darauf hätte ihn der Taxifahrer nur gefragt: „Welchen Wahlkampf?“ Gysi: „Haben Sie die viele Plakate in der Stadt nicht gesehen?“ Nein, das sei ihm alles nicht aufgefallen. Das sei laut Gysi auch ein Beispiel dafür, dass ein Wahlplakat keine einzige Stimme bringt, aber keine hängen viele kostet.

Bei den Fragen, die die Zuhörer am Ende der Veranstaltung stellten, ging es natürlich auch um die aktuelle Bundesregierung und den Streit, in den sie gerade verwickelt ist. Die Bundeskanzlerin wisse einfach nicht, wann es Zeit wäre, aufzuhören, zog der 70-jährige Gysi am Ende Bilanz. Er sprach es und eilte schleunigst zum nächsten Termin.

Organisiert wurde die erste Veranstaltung in der neuen Reihe „Benn trifft...“ von der Basisorganisation „Valentin“ der Pankower LINKEN, die in der Zukunft neben anderen Aktivitäten ähnliche Veranstaltungen plant.

Oliver Schmitt