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Schon jetzt stark verkehrlich belastet: die Storkower Straße

extraDrei

Versäumnisse und Vertuschungen

Storkower Straße: Verkehrschaos mit Ansage

In der Storkower Straße am westlichen Zugang zum S-Bahnhof Landberger Allee sollen die letzten beiden großen Flächen neugestaltet bzw. bebaut werden. Zwei unterschiedliche Investoren wollen vor allem Büroflächen errichten. Zur Sicherung dieser Flächen als Gewerbestandort hatte der Bezirk die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. Es galt also, die Ziele dieses Planes, der noch nicht festgesetzt ist und also noch keine Rechtskraft entfaltet, mit den Vorstellungen der Investoren so weit wie möglich in Deckung zu bringen. Dazu gehört unter anderem auch, zu klären, ob die durch das Vorhaben erzeugten Verkehre abgewickelt werden können.

An dieser Stelle wurden die Bezirksverordneten erstmals über das Bauvorhaben informiert – mit dem üblichen Bunte-Bilder-Vortrag, der, wie es bei derartigen Vorträgen üblich ist, mehr Fragen offenließ als beantwortete. Statt die ganze Sache durchzuwinken, bestanden die eigensinnigen Verordneten des Verkehrsausschusses darauf, die tatsächlichen verkehrlichen Untersuchungen ausgehändigt zu bekommen und selbst zu prüfen.

Dabei wurde offenbar, dass der durch das Vorhaben erzeugte zusätzliche Verkehr knapp sechs Mal so hoch sein wird, wie ursprünglich im Verkehrsausschuss behauptet, und großräumig über die Kreuzungen Landberger Allee und Kniprodestraße mit der Storkower Straße nicht mehr abgewickelt werden kann. Diese aus den nackten Zahlen abgeleitete Erkenntnis hätte auch das Bezirksamt haben und sich um eine entsprechende Änderung der Investoren-Pläne bemühen können. Stattdessen wurde eine Baugenehmigung erteilt. Dabei reden wir noch gar nicht über die zusätzlichen Verkehrsbelastungen, die durch das Bauvorhaben auf das Blümchenviertel zukommen werden. Die wurden nur grob untersucht. Dabei geht es vor allem um Schleichverkehr, der die genannten Kreuzungen über die Achse Maiglöckchenstraße - Stedinger Weg zu umgehen versucht.

Dieser Vorgang steht auch beispielhaft für viele Ähnliche, bei denen mit dem Verweis auf eine ja angeblich vorhandene verkehrliche Infrastruktur die Innenstadt, man muss schon sagen: auf Teufel komm raus, “nachverdichtet” wird. Es ist dabei völlig egal, ob es sich um Wohnungsbau oder Gewerbe handelt. Auch die LINKE hat sich bisher um eine klare Entscheidung zwischen Innenstadtverdichtung und Außenentwicklung gedrückt. Denn allen ist klar, dass bei einer, nota bene, geregelten Außenentwicklung öffentliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, vor allen Dingen in den ÖPNV, in erheblicher Größenordnung notwendig sind bzw. wären. Das passt zu einer Berliner Verkehrspolitik, die den ÖPNV zwar über den grünen Klee lobt, aber glaubt – und den Leuten mit Ausbauplänen aus dem Wolkenkuckucksheim weismacht, er sei zum Nulltarif und in kürzester Zeit zu haben. Die für ihren Nahverkehr hochgelobte Stadt Wien baut diesen seit 1968 kontinuierlich aus. Dort ist auch Nachverdichtung in der Innenstadt stadtverträglich zu realisieren. In Berlin war mit dem Ausbau 1992 Schluss.


Wolfram Kempe
Bezirksverordneter