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Kim Hansen/wiki
Grönländische Kinder am Tag ihrer Einschulung

extraDrei

Glosse: Realität übertrifft Vorstellungskraft

Jetzt hat der große Blonde auch den letzten Beweis seiner Größe angetreten. Er sei der Auserwählte, erklärte US-Präsident Trump Ende August in Washington. Dabei schaute er in den Himmel und breitete seine Arme aus. Und weil er nun mal der Auserwählte ist, muss er auch ausgewählte Sachen machen. Schon bald hatte er eine großartige Idee. Er würde gern Grönland kaufen, ließ er verlauten, und zwar ganz. Es ist die wohl kapitalistischste Art von Außenpolitik und schon deshalb seiner uneingeschränkt würdig. Auch gibt es für diese Idee reale, selbstredend US-amerikanische Vorbilder. Eingangs des 19. Jahrhunderts schickte der damalige Präsident Jefferson eine Delegation nach Paris, man wolle die Isle of Orleans, das heutige New Orleans, gern kaufen.

Napoleon, der gerade in Übersee ein paar Niederlagen erlitten hatte, und befürchten musste, dass ihm die Engländer auch noch die Besitzungen am Mississippi streitig machen würden, bot kurzer Hand ganz Louisiana zum Kauf. Die verdutzten Unterhändler schlugen ein, erst recht, als sie für die Summe von 15 Millionen Dollar auch noch die Territorien der heutigen Bundesstaaten Arkansas, Missouri, Iowa, Oklahoma, Kansas und Nebraska als Draufgabe bekamen, sowie weitere Flächen im Mittleren Westen. Der Deal über eine Gesamtfläche von 2,15 Millionen km² ging als „Louisiana Purchase“ und zugleich größtes Immobiliengeschäft der Welt in die Geschichte ein. Ein Schnäppchen war dann auch der Kauf des 1,6 Millionen km² großen Alaska von Russland knapp 60 Jahre später für 7,2 Millionen Dollar.

Nun also Grönland, 2,16 Millionen km² groß. Es wäre der neue ewig größte Rekordimmobiliendeal aller Zeiten. Ein Geschäft also ganz nach dem Format des Goldjungen aus New York. Doch während der russische Zar und der französische Kaiser sich als willfährige Händler entpuppten, weist das kleine Königreich Dänemark, welches Grönland in seiner Obhut hat, die Avancen entrüstet zurück. Woraufhin der Auserwählte beleidigt seinen Staatsbesuch in Kopenhagen absagte. »Die Realität übertrifft die Vorstellungskraft«, kommentierte das lakonisch ein dänischer Regierungspolitiker.


HaSe