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Moorlinse in Buch

extraDrei

Bürgerstadt Buch: Fata Morgana im Pankower Norden

Zu lange in der Sonne gesessen? Das war vielfach die erste Reaktion auf den Vorschlag der Bürgerstadt AG und des SPD-Arbeitskreises Stadtentwicklung für mehrere neue Wohnsiedlungen nördlich von Französisch Buchholz und westlich von Buch. Die Initiatoren nahmen bei der medienwirksamen Präsentation für sich in Anspruch, nicht nur durch Masse – vorgeschlagen werden Wohnungen für 100.000 Einwohner! - einen Beitrag zur Lösung des Berliner Wohnungsproblems, sondern auch zur sozial-ökologischen Stadtentwicklung zu leisten.

Was sie öffentlich präsentierten, ist aber lediglich eine willkürliche Aufreihung unbebauter Flächen von der Elisabethaue im Westen bis zu Moorlinse und Brunnengalerie in Buch. Nimmt man alle Flächen heraus, für die es bereits mehr oder weniger fortgeschrittene Planungen für Wohnungsbaustandorte gibt, bleiben drei große Flächen übrig: Natur- und Landschaftsschutzgebiete westlich und nördlich von Französisch Buchholz sowie südlich der Bucher Moorlinse und die EpB-Fläche. Letzteres sind Gewerbeflächen für den produktionsgeprägten Bereich, die zwischen den Autobahnen A 114 und A 10 liegen und deren geplante Nutzung erst vor wenigen Wochen im Stadtentwicklungsplan Industrie und Gewerbe vom Senat und damit durch die SPD neuerlich bestätigt wurden.

Natürlich kann man zu den aktuellen Planungszielen des Landes Berlin Änderungen vorschlagen. Dafür sollte man aber städtebauliche Gründe anführen. Die Bürgerstadt AG ist solche bislang schuldig geblieben. Sie behauptete stattdessen wider besseren Wissens, dass es sich um „vergessene Flächen“ handele, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unbeachtet gelassen habe. Dabei kennen die Macher der Bürgerstadt AG die seit Jahrzehnten sich entwickelnden öffentlichen Planungen genau.

Wenn man sich auf eine Überprüfung der Stadtplanungsziele verständigen würde, wäre anschließend die Machbarkeit zu prüfen: Erschließung, Infrastruktur, Bodenbelastungen und Bodenschutz, Eingriffe in Natur und Klima etc. Das aber interessierte die Herren Härtig und Fuderholz (beide SPD und Vertreter der Bürgerstadt AG) offenbar gar nicht. Sie wollten nur ein parteipolitisches Zeichen in das Sommerloch nach der Devise setzen: Unter Stadtentwicklungssenatorin Lompscher (DIE LINKE) lahmt der Neubau, die SPD treibt ihn im großen Stil voran.

Da interessiert auch nicht, dass es für die bislang schon geplanten Neubauquartiere in Buch, Karow, Blankenburg und Französisch Buchholz noch kein Konzept für eine verkehrliche Erschließung gibt. Nicht weil die Verkehrsverwaltung dies vergessen hätte, sondern weil das ein komplexes und sehr schwer zu lösendes Problem darstellt, so dass die Verwaltung mit der Lösung seit Jahren kaum vorankommt. Den größten Teil der Zeit stand die Verkehrsverwaltung im Übrigen unter politischer Verantwortung der SPD.

Statt fiktive Bürgerstädte auf Kleingartenanlagen, Naturschutzgebieten oder Vorhalteflächen für industrielles Gewerbe zu phantasieren, sollten die SPD-Genossen ihr Kraft auf die Entwicklung eines tragfähigen Verkehrskonzeptes für den Pankower Nordostraum verwenden. Ohne dieses werden viele der dort schon geplanten neuen Wohngebiete nicht entstehen können.


Michail Nelken
Mitglied des Abgeordnetenhauses


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