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Soll abgerissen und neugebaut werden: Das Jahnstadion mit seinen charakteristischen Flutlichtmasten.

extraDrei

Abriss und was dann? Streit um Abriss des Jahnstadions

Der Jahnsportpark soll zu einem Inklusionssportpark umgebaut werden. Nach vielen Jahren Debatte soll nun im Herbst 2020 das Vorhaben starten. Die Gelder für den Abriss des Jahnstadions (erster Bauabschnitt), das durch einen Neubau mit gleicher Zuschauerkapazität (zweiter Bauabschnitt) ersetzt werden soll, stehen im Landeshaushalt 2020/21 bereit. Allerdings sind sie gesperrt, bis die Sportverwaltung dem Haushaltsausschuss des Abgeordnetenhauses ein aktualisiertes Konzept für die zukünftige Nutzung des Sportparks vorgelegt. Dazu hat sie in den letzten Monaten die Interessen und Bedarfe der bezirklichen Sportvereine, von ALBA und Landesportverbänden abgefragt sowie Gespräche mit den Bürgervereinen der umliegenden Kieze geführt. Dabei ging es um den vereinsungebundenen Breitensport und sonstige Nutzungsinteressen der Anwohner*innen. Der Senat hat den Bereich um den Jahnsportpark zu einem Gebiet von gesamtstädtischer Bedeutung erklärt. Damit liegt die Planung und Genehmigung des Vorhabens nunmehr bei der Senatsstadtentwicklungsverwaltung von Katrin Lompscher (DIE LINKE).

Jetzt erhebt sich öffentlicher Widerspruch: Wer braucht einen 100 Millionen Euro teuren Neubau für 20.000 Zuschauer*innen? Für Veranstaltungen der Behindertensportverbände und der Berliner Leichtathletik würde das Stadion nur wenige Male im Jahr gebraucht. Es könnte viel kleiner ausfallen. Für Fußballspiele der Zweiten und Dritten Liga, die der Fußballverband hier ansiedeln will, und zuschauerintensive Sport- und Kulturveranstaltungen ist eine gute verkehrliche Erschließung nicht herstellbar. Eine neue Großveranstaltungsstätte passe weder in einen Inklusionssportpark noch in den Ortsteil, in dem es mit Mauerpark und Max-Schmeling-Halle bereits Veranstaltungsorte mit hohen Besucher*innenzahlen gibt.

Zudem wäre ein Abriss des Jahnstadions eine ökologische Untat. Einerseits weil ihm viele Bäume zum Opfer fielen, die zusammen mit Sportpark, Mauerpark und Falkplatz von besonderer Bedeutung für das Stadtklima in diesem hoch verdichteten Stadtteil sind. Zum anderen stellen die aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges aufgeschütteten Stadionwälle, das in den 1980er Jahren neu errichtete Tribünengebäude und die 1998 sanierten Zuschauerränge „graue Energie“ (Energieverbrauch zu ihrer Errichtung) von erheblichem Umfang dar. Deren Beseitigung wäre eine gewaltige Energieverschwendung ohne adäquaten Nutzen.

Abriss und Neubau des großen Jahnstadions sollen ca. 120 Millionen Euro kosten. Erst anschließend soll der Sportpark für 60 Millionen Euro saniert und mit neuen Sportflächen und -hallen ausgestattet werden. Das ist ein Missverhältnis im Aufwand zwischen der Hauptnutzung Inklusionssport und dem Stadionneubau, dessen Nutzung umstritten ist. Derzeit wächst die Gefahr, dass die Mittel für den dritten Bauabschnitt, den Sportpark, nach 2022 nicht mehr zur Verfügung stehen. Deshalb scheint es vernünftiger, mit der Sanierung und dem Umbau des Sportparks zu beginnen und sich Zeit für eine sachgerechte Entscheidung über die Zukunft des Jahnstadions nehmen.


Michail Nelken
Mitglied des Abgeordnetenhaues


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