Lifestyle-Teilzeit?!

Kaum ein Tag, an dem aus den Reihen von CDU und CSU nicht eine neue Sau
durchs Dorf getrieben wird: Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes, Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und jetzt der neueste Knaller, die Lifestyle-Teilzeit! Oder mit anderen Worten: Wer Teilzeit arbeitet, soll zu mehr Arbeit gezwungen werden. Und das gegebenenfalls auch durch den Entzug von Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag.
De facto ist das ein Frontalangriff auf 17 Millionen Teilzeitbeschäftigte; die große
Mehrheit von ihnen Frauen. Denn Teilzeit ist für viele noch immer die einzige
Chance, Beruf und Familie oder auch die Pflege von Angehörigen irgendwie unter einen Hut zu bekommen.
Für eine zunehmende Zahl von Beschäftigten, zum Beispiel in der Pflege, ist Teilzeit zudem inzwischen der einzige Weg, die extrem belastenden Arbeitsbedingungen in ihrem Beruf überhaupt auszuhalten.
Zugleich will eine große Zahl der Teilzeitbeschäftigten mehr arbeiten. Das bestätigen alle Umfragen. Sie stecken jedoch in der Teilzeitfalle fest, nicht selten sogar in sozial ungeschützten Minijobs.
 

Wer will, dass Teilzeitbeschäftigte mehr arbeiten, muss hier ansetzen. Nicht mit
Druck und Schikanen, sondern mit mehr Unterstützung, um die Arbeitszeit
gegebenenfalls auch gegen Widerstände des Arbeitgebers erhöhen zu können, und vor allem mit besseren Rahmenbedingungen. Das heißt ganz zuvorderst:
ausreichende und kostenfreie Kita-Plätze sowie flächendeckend verlässliche
Ganztagsschulen.
Doch so viel Realitätssinn in den Reihen von CDU und CSU – das ist wohl
heutzutage schon zu viel verlangt.

Pascal Meiser, Mitglied des Deutschen Bundestages