Nicht nur der Tierschutz geht vor die Hunde
Der Entwurf für den Berliner Landeshaushalt liegt vor. Anlass für ein Gespräch mit Katrin Seidel, Sprecherin für Verbraucher*innenschutz und Tierschutz der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus.
Wie geht es dem Tierschutz und dem Verbraucher*innenschutz in Berlin?
Die schlechte Nachricht zuerst – der Verbraucher*innenschutz ist von massiven Kürzungen bedroht. Die ganz schlechte Nachricht – der Tierschutz wird mit dem vorliegenden Entwurf gegen Null gefahren. Die Regierungskoalition kürzt alles, was mühsam aufgebaut wurde.
Was heißt das konkret?
Nehmen wir als Beispiel das Tierheim Berlin. Es soll kein Geld mehr aus dem Landeshaushalt bekommen. Dabei erfüllt das Tierheim wichtige Aufgaben für das Land. Wenn zum Beispiel ein Mensch verstorben ist, müssen dessen Haustiere eventuell weiter versorgt werden. Auch entlaufene oder ausgesetzte Tiere unserer Vier-Millionen-Einwohner-Stadt kommen in das Tierheim.
Übrigens ist das Tierheim das größte und berühmteste Europas. Und es gibt dort ungewöhnliche Projekte wie „Kinder lesen Katzen vor“ – Kinder üben lesen und Katzen gewöhnen sich an Menschen.
Diese ganze Arbeit sollte dem Land Berlin doch einen Beitrag wert sein!
Und beim Verbraucher*innenschutz sieht es besser aus?
Wenn man null Euro für das Tierheim als Vergleichsmaßstab sieht, dann ja. Beim Verbraucher*innenschutz stehen Kürzungen um 13,5 Prozent im Raum, was ein herber Einschnitt für die Arbeit wäre.
Doppelt bitter wird es für die Verbraucherzentrale: Mit jedem Euro, der dort gekürzt wird, fehlen zwei Euro im Portemonnaie der Verbraucherzentrale. Bislang gibt es eine Kooperation mit dem Bund. Für jeden Euro vom Land Berlin kommt ein Euro vom Bund obendrauf. Wenn diese Kooperation mit Bundesmitteln nun aufgekündigt wird, sind auch Arbeitsplätze in Gefahr.
Das klingt nicht gut ...
Das Schlimme ist: Mit Stellenkürzungen verschwinden ja nicht nur die Menschen dort, es verschwinden auch das gesammelte Wissen und die Erfahrungen. Das kann doch niemand wollen! Denn die Verbraucherzentrale leistet eine wichtige Arbeit. Sie ist eine wirklich unabhängige Ansprechpartnerin in Sachen Beraten und Informieren.
Zum Beispiel beim Thema Geld und Sparen. Bei Banken und Versicherungen erhält man ein Verkaufsgespräch, bei der Verbraucherzentrale eine unabhängige Beratung. Immerhin geht es hier oft um Lebensentscheidungen.
An diese Stelle möchte ich ein Web-Seminar der Verbraucherzentrale zur Altersvorsorge am 1. Dezember, 17–18 Uhr, empfehlen. Ich weiß, das Thema klingt ähnlich unsexy, wie der Kontrollbesuch beim Zahnarzt, aber Vorbeugen ist immer die beste Medizin und finanzielle Bildung ein guter Schutz vor Armut. Dafür brauchen wir Anbieter wie die Verbraucherzentrale. (Anmeldung: www.verbraucherzentrale-berlin.de. Die Teilnahme ist anonym möglich und kostenfrei.)
Und wie geht nun es weiter?
Bei den Haushaltsberatungen im Abgeordnetenhaus für 2026/2027 müssen wir als Linksfraktion jetzt unsere schützende Hand über das Erreichte halten.
Interview: Franka Ballhause

