Zum Hauptinhalt springen

„Die Rechten sind so krass, da müssen auch wir lauter werden“

Interview mit Evelyn Heide, die mit 86 Mitglied in der Pankower Linken wurde.

Wie kam es dazu, dass du letztes Jahr mit 86 Jahren den Weg zur Linken gefunden hast?

Das bedeutete erst mal eine gründliche Überlegung. Aber ich habe mich schließlich doch entschieden. Vorher kam das für mich nicht in Frage, als Sahra Wagenknecht ja eine Spitzenkandidatin der Linken war, habe ich bei der Linken überhaupt nicht meine Heimat gesehen. Und dann, wo doch andere Stimmen zu vernehmen waren und eine wirkliche Erneuerung zu spüren war, da habe ich mich entschieden: Hier kannst und musst du mitmachen, hier kannst du deine Heimat finden.

Erzähle uns bitte etwas zu deinem politischen Werdegang vor dem Eintritt bei uns.

Ich bin natürlich nicht jetzt erst eine Linke, sondern schon mein Leben lang gewissermaßen. Das lag vor allem an meinem Vater, der am Ende des Ersten Weltkrieges am Matrosenaufstand in Kiel teilgenommen hat und in der USPD war. Schon meine Kindheit war politisch sehr belebt, weshalb ich natürlich gute Voraussetzungen hatte, eine Linke zu werden. 
Ich habe dann in den sechziger Jahren, also während der Studentenbewegung, in Frankfurt am Main gelebt und da etwas mitgemischt. Aber vor allem habe ich eine Immigrant*innengruppe gefunden, Italiener, die ja damals, genau wie Griechen und Türken, zum Arbeiten in die Bundesrepublik kamen. Die lebten unter unverschämten, unwürdigsten Verhältnissen, in Baracken zusammengepfercht und wurden den ganzen Tag nur ausgebeutet und hatten sonst gar kein Leben, allein, ohne ihre Familie und in erbärmlichen Verhältnissen. Da habe ich bis in die siebziger Jahre hinein unterstützt und wir haben uns bemüht, ihre Situation öffentlich zu machen. Und da haben wir Flugblätter und eine Zeitung herausgegeben, haben die Leute besucht, haben Interviews gemacht. Aber ich habe da doch meinen Schwerpunkt in der Immigrantenpolitik gesehen und das auch immer für wichtig gehalten. 
Später bin ich mit meiner Familie nach Dänemark gezogen. Wir haben dort die Erfahrung machen müssen, dass auch in diesem so sozialen und liberalen Land die Diskriminierung gegen die Immigrant*innen groß ist. Mit anderen Immigrant*innen haben wir eine Gruppe organisiert, um uns gegen die Diskriminierung zu wehren. In Flugblättern und öffentlichen Diskussionen haben wir unsere Rechte gefordert und, um die Solidarität zu stärken, haben wir auch multikulturelle Feste organisiert.

Wie möchtest du dich zukünftig im Bezirksverband einbringen?
Ja, also ich habe mir vorgestellt, mich in die Immigrantenarbeit der Partei einzubringen Das halte ich heute auch für eine der wesentlichen Aufgaben einer linken Partei, weil ja die Aggressionen gegen die Immigrant*innen sehr stark geworden sind. Und da würde ich versuchen, hier einen Kreis zu finden. Ich bin ja noch nicht lange dabei und mache mich noch mit den Aktivitäten der Partei vertraut. Ich könnte mir vorstellen Kontakt zu anderen Bezirken aufzunehmen, in denen diesbezüglich schon mehr passiert. Vielleicht kann ich meine Erfahrungen, und da gibt’s ja einige, mit einbringen.
Was ich noch anmerken möchte: Ich muss feststellen, dass wir klassenbewusste Begriffe, wie Arbeiter und Arbeiterin nicht mehr in den Mund nehmen. Außerdem sollten wir eindeutiger und mutiger unsere Meinung vertreten. Die Rechten sind so laut und so krass geworden und haben solch einen Erfolg dabei, sodass wir uns wirklich fragen müssen: Sollten wir nicht auch mutiger werden und ihnen mit einer ebenso kämpferischen Sprache entgegentreten? 

Zurück zum Kopf der Seite