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extraDrei

Springprozession

Dass nach fast 20-jähriger Diskussion der zuständigen Senatsverkehrsverwaltung erst im November 2021 auffällt, dass für die Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist, ist ein Armutszeugnis. Allein das Genehmigungsverfahren verzögert sich dadurch um mindestens ein weiteres Jahr. Seitens des Senates unbeantwortet bleibt die Frage, warum für eine planfestgestellte Strecke, auf der der Güterverkehr nie unterbrochen war, eine derartige Prüfung überhaupt gefordert wird. Auf Nachfrage bleibt der Senat seltsam vage.

Inzwischen sind die Planunterlagen öffentlich ausgelegt und im Internet auf den Seiten des Senates für jeden einsehbar. Bei einem ersten, flüchtigen Blick fällt auf, dass die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) auf einen Kreuzungsbahnhof mit der S-Bahn in Mühlenbeck verzichtet. Das übergeordnete Ziel der Verkehrsplanung, die Strecken und Linien der Verkehrsträger zu einem Netz zu verknüpfen, wird damit verfehlt, auch wenn die dafür notwendige Verschiebung des S-Bahn-Haltepunktes Mühlenbeck-Mönchmühle (unter Umständen sogar mit einem Regionalbahn-Halt – die S 8 wird nicht am Karower Kreuz halten) noch Jahrzehnte dauern würde. Zukunftsfähig ist das nicht.

So gleicht auch dieser Planungsprozess wieder einer märkischen Variante der Echternacher Springprozession: zwei Schritte vor, einer zurück. Nur Polka wird nicht gespielt.


Wolfram Kempe
Bezirksverordneter