Frage: Gernot, Du bist schon seit 1992, damals als Bezirksverordneter, dann ab 1995 als Abgeordneter mit Unterbrechung zwischen 2006 und 2009, in Weißensee politisch aktiv. Was schätzt Du an Deinem Kiez?
Gernot Klemm: Weißensee war in vielen Dingen Berlins Vorreiter. Hier war vor gut hundert Jahren der Vergnügungspark der Berliner am Weißen See, hierhin fuhr die erste Straßenbahn von Berlin, hier stand die erst funktionsfähige Großturbine der Welt, hier wurden die ersten Stummfilmklassiker Deutschlands gedreht. Weißensee ist zwar leiser aber immer dicht dabei. Heute gibt es kaum einen schöneren Platz für laue Sommerabende wie das Strandbad Weißensee oder im Winter die Kneipen und Restaurants in der Bizetstraße.
Frage: Also ist alles in Ordnung hier?
Gernot Klemm: Vieles, aber das muss nicht so bleiben. Das FreiZeitHaus, die neue Bibliothek in der Bizetstraße, die zahlreichen Jugendclubs und alternative Bürgerprojekte wie das KuBiZ oder der Jugendclub „Bunte Kuh“ stehen zur Disposition, wenn nach der Wahl die Kürzungsparteien SPD, Grüne, CDU oder FDP in Berlin allein das Sagen haben. Nur DIE LINKE stellt sich den Sparplänen dieser Parteien entgegen. Und ein zweites macht mir Sorgen: die zunehmenden Verdrängungstendenzen im Rahmen der sog. Gentrifizierung. Es freut mich ja, wenn mein SPD-Gegenkandidat und Parteifunktionär Dennis Buchner aus Lübeck, der erst vor kurzem hier her gezogen ist, sich hier pudelwohl fühlt. Aber es kann nicht sein, dass durch stetig steigende Mieten immer mehr nicht so gut Betuchte aus den attraktiven Quartieren der Stadt gedrängt werden. Dagegen kämpft DIE LINKE.
Frage: Und was willst Du sonst noch ändern?
Gernot Klemm: Die Grundschule am Weißen See muss dringend saniert werden. Anstelle der zum Abriss freigegebenen Turnhalle am Weißen See muß eine Parkerweiterung und keine neuen Luxuswohnungen kommen. Und auch für das Kulturhaus „Peter Edel“ muss endlich eine kulturelle Nachnutzung gefunden werden.