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16. März 2018 extraDrei

Obdachlosigkeit. Sind wir machtlos?

Waren sich nicht immer einig: Elke Breitenbach, Alexander Schröder, Dieter Puhl und Robert Ide. (Foto: Andrea Tschammer)

Podiumsdiskussion Pub-Talk gibt erstaunlichen Ratschlag

Die Zahl der Obdachlosen steigt ständig. Gibt es Möglichkeiten, ihnen zu helfen? Dieser Frage widmete sich der Pub-Talk am 15. Februar um 19.30 Uhr in der Schachkneipe "en passant" an der Schönhauser Allee. Dazu waren drei Fachleute geladen, die das Thema aus ihrer jeweiligen Perspektive darstellen konnten und Lösungen aufzeigen sollten. Das Land Berlin war durch Senatorin Elke Breitenbach vertreten, die für unsere Partei das Ressort für Integration, Arbeit und Soziales führt. Robert Ide, Leiter des Ressorts Berlin Brandenburg in der Tagesspiegelredaktion sprach für die Presse. Und nicht zuletzt vielleicht der Wichtigste auf dem Podium: Dieter Puhl, Leiter der Berliner Bahnhofsmission Bahnhof Zoo, der zu nahezu allen Fragen Beispiele aus seiner jahrelangen Erfahrung brachte.

Moderator Alexander Schröder und Veranstalter Matthias Bannas eröffneten die Diskussion mit schwindelerregenden Zahlen: schätzungsweise 10.000 Menschen werden in Berlin auf der Straße leben, seit 2016 habe sich ihre Zahl verdoppelt. Elke Breitenbach wollte diese Zahlen nicht so einfach stehen lassen, weil das Land Berlin derzeit dazu keine Statistiken habe, das aber schnell nachholen wolle. Gründe für die gestiegene Zahl der Wohnungslosen sieht sie unter anderem auch in den stark steigenden Mieten. In Berlin seien derzeit 50.000 Menschen in kommunalen Unterkünften untergebracht, die unter anderen Umständen von Wohnungslosigkeit bedroht wären. Aber woran liegt das nun eigentlich, dass Menschen alles verlieren und am Ende auf der Straße landen? Dieter Puhl antwortete darauf, dass die meisten psychisch krank sind, was fast immer mit der klassischen Alkoholsucht deutlich sichtbar wird. Um solche Schicksale zu vermeiden, müsse den Menschen geholfen werden, bevor sie abstürzen: "Kümmern Sie sich um ihren Nachbarn, der irre ist." Als Beispiel nannte er eine Frau in seiner Nachbarschaft, die die Fenster ihrer Wohnung mit Zeitungspapier zugeklebt habe. Das sei kein gutes Zeichen, ebenso wenn es in einer Nachbarwohnung "müffelt". Wenn man das Gespräch mit solchen Leuten suchen würde, könne vielleicht Schlimmeres vermieden werden.

Eine Frage aus einem etwas anderen Blickwinkel war, ob Obdachlose auch ein Sicherheitsrisiko darstellten. Das wurde am Beispiel der 60jährigen, die im September letzten Jahres im Berliner Tiergarten von einem Obdachlosen ermordet worden ist, diskutiert. Auf den Vorwurf, die Presse würde sich an Angstkampagnen beteiligen, antwortete Robert Ide, dass der Tagesspiegel natürlich die Ängste seiner Leser ernst nehmen müsse. Darüber hinaus sei das Thema Obdachlosigkeit den Tagesspiegellesern wichtig. Bei Spendenaktionen seiner Zeitung kommen immer große Beträge zusammen. Zum Thema der Sicherheit wollte Puhl am Ende doch noch etwas sagen. Es seien vor Allem die Obdachlosen, die auf der Straße gefährdet sind: "Es gibt kein Leben auf der Straße, sondern ein Sterben."


Oliver Schmitt