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7. Oktober 2017 extraDrei

In türkischer Geiselhaft

Gethsemane-Gemeinde organisiert Fürbitten für Peter Steudtner

Seit drei Monaten schon ist Peter Steudtner in einem Gefängnis nahe Istanbul eingesperrt. Am 5. Juli wurden er und weitere Menschenrechtsaktivisten in einem Hotel festgenommen. Ein Richter verhängte Untersuchungshaft, die in der Türkei bis zu zwei Jahre andauern kann. Der Tatvorwurf lautet: "Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung".

Peter Steudtner, der mit seiner Partnerin und seinen zwei Kindern in Prenzlauer Berg wohnt und aktives Mitglied der Gethsemane-Gemeinde ist, war nie zuvor in der Türkei, hat nichts über das Land publiziert und war auch nicht als Kritiker der türkischen Verhältnisse aufgefallen. Ein zentraler Grundsatz seiner Arbeit ist Gewaltfreiheit.

Seine Familie, Freunde, Kolleginnen und Kollegen sind in großer Sorge. Regelmäßig finden in der Gethsemanekirche Fürbitten für ihn statt. Das Auswärtige Amt erklärt, Peter Steudtner und auch andere politische Gefangene wie Deniz Yücel und Mesale Tolu hätten konsularische Betreuung, es ginge ihnen den Umständen entsprechend gut. Was immer das heißen mag.

Egal, ob nun stille Diplomatie oder öffentlicher Protest der direkte Weg zur Freilassung ist, er sollte von der Bundesregierung konsequent beschritten werden. Denn es verfestigt sich der Eindruck, dass der türkische Präsident Erdogan mit der Festsetzung deutscher Staatsbürger Einfluss auf ihre Entscheidungen nehmen will. Ich erwarte, dass die Bundesregierung Schluss macht mit jeglicher Nachsichtigkeit. Dazu zählen der Abzug der Bundeswehrsoldaten vom NATO-Stützpunktort Konya und ein Stopp für die Panzerfabrik von Rheinmetall in der Türkei.

Stefan Liebich
Mitglied des Bundestages