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Das Interview   

Kinder, Kinder 

Kita- und Hortplätze, verärgerte Eltern und steigende Fallzahlen beim Kinderschutz. extraDrei sprach mit Christine Keil, Stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Stadträtin für Jugend und Immobilien. Die gelernte Maschinenbauerin ist seit 1996 Stadträtin – erst in Weißensee, seit 2001 im Großbezirk Pankow, sie ist Mitglied der LINKEN: 

Kita-Gutschein - ein Ärgernis. Viele Eltern bekommen zwar einen, sind aber oft monatelang nach einem Kita-Platz auf der Suche. Woran liegt`s?

Bevor ich auf die Frage antworte, möchte ich unbedingt darauf hinweisen, dass es in Berlin und ganz besonders in Pankow eine sehr gute Versorgung mit Kitaplätzen gibt. Und das sind keine Halbtagsplätze ohne Mittagessen, wie das noch oft in der alten Bundesrepublik der Fall ist. In Pankow stehen aktuell 22.770 Kindern im Alter bis zu sechs Jahren 18.050 Kita-Plätze zur Verfügung. Das ist insgesamt ausreichend, allerdings nicht unbedingt in Wohnungsnähe. Ein Fahrweg von 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss von den Eltern hingenommen werden. Einige Platzkapazitäten können im Moment nicht belegt werden, weil in vielen Einrichtungen Baumaßnahmen aus dem Konjunkturpaket laufen und aus Erzieherinnenmangel. 

Bei den Hortplätzen an den Grundschulen sieht es ähnlich aus. Wieviele Bewerber kommen in Pankow auf einen Kita- und Hort-Platz?

Kinder, die einen bestätigten Bedarf für einen Hortplatz haben, bekommen auch einen. Hier besteht das Problem eher in der Absicherung mit ausreichend Erzieherinnen. Im Kitabereich stellt sich die Anmeldesituation in den Ortsteilen unterschiedlich dar. Zahlreiche Kitas haben lange Wartelisten. Viele Eltern melden sich in mehreren Kitas an, so dass nie die Echtsituation abgebildet wird.  

Kommunale Einrichtungen und private Träger - wie ist da das Verhältnis bei den Kita-Plätzen?

Der Kitaeigenbetrieb NordOst hat eine Kapazität von 4.470 Plätzen. Bei freien Trägern sind es derzeit 13.580 Plätze. Die kommunalen Plätze haben einen Anteil von 25 Prozent.  

Zunehmend wünschen Eltern spezielle Angebote wie zweisprachige Einrichtungen, musikalische Früherziehung und ähnliches.

Die Vielfalt der Angebote und Konzepte ist bei rund 250 Kitas im Bezirk zu groß, um sie aufzuzählen. Man kann sagen, dass fast alle Kitas spezielle Angebote machen, einige haben besondere Konzepte, zum Beispiel Waldkindergarten oder Sport.  

Berlins Finanzsenator Nussbaum (SPD) will den Bezirken weniger Geld für die Kita-Betreuung geben. Stimmt das?

Herr Nussbaum hat „seinen“ Haushalt im Auge und sucht Einsparmöglichkeiten, auch im Kitabereich. Er zweifelt den Bedarf an Kitaplätzen mit einem Betreuungsbedarf von über neun Stunden an. Da sind wieder die Ostbezirke im Visier. Es wird gerade eine Arbeitsgruppe Bewilligungspraxis für Kitagutscheine gebildet. 

Und was kannst Du bzw. der Bezirk tun, damit der Rechtsanspruch auf einen Kita- und Hortplatz schneller realisiert wird?

Einen bedarfsunabhängigen Rechtsanspruch auf einen Teilzeitplatz, das heißt fünf bis sieben Stunden, gibt es für die drei- bis sechsjährigen Kitakinder. Der wird erfüllt. 

Gibt es neues zur Zukunft der Schülerclubs in Pankow?

Im Bezirk wurden bis 2009 aus Landesmitteln neun Schülerclubs mit jährlich 290.000 Euro gefördert. Jetzt stehen nur noch 105.000 Euro zur Verfügung. Durch gemeinsame Anstrengung der Schulen, der Träger der Schülerclubs und meines Jugendamtes ist es gelungen, zunächst sechs Clubs bis zum Ende des Jahres 2010 zu fördern. Die Bewilligungsbescheide sind erteilt. Für 2011 steht die Finanzierung für 5, für Nummer 6 suchen wir noch Geld. 

Vor fünf Jahren wurde das Kinder- und Jugendfreizeitzentrum "Nische" in der Mahlerstraße 4 in Weißensee eröffnet. Nun erfolgte eine Erweiterung zum Familienzentrum? Welche Vereine sind daran beteiligt und warum die neue Zielsetzung?

Das Familienzentrum wird am 12. September durch die Betreiber Freizeithaus Weißensee e.V. und Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. eröffnet. Ich sehe einen großen Unterstützungs-, Beratungs- und Freizeitbedarf für Familien im Bezirk. 

Du bist als Jugendstadträtin auch für Kinderschutz zuständig. Rot-Rot auf Landesebene gelobte nach schrecklichen Übergriffen auf Kinder, die auch in den Medien dokumentiert wurden, Besserung. Sind mit dem Haushalt 2010/2011 alle Bedingungen erfüllt, um das erklärte politische Ziel für einen besseren Kinderschutz zu gewährleisten?

Alle Wünsche sicher nicht, aber durch den Druck „unserer Leute“ im Abgeordnetenhaus konnte endlich ein deutlich besseres Finanzierungssystem, gekoppelt an die Fallentwicklung, und mehr Geld für die Jugendhilfeleistungen durchgesetzt werden. Außerdem hat jeder Bezirk zwei zusätzliche Stellen Personal für den Kinderschutz erhalten. 

2011 sind Wahlen, auch die Bezirksverordnetenversammlung Pankow wird neu gewählt. Wirst Du weiter dabei sein?

Ja, ich möchte kandidieren.

Interview: Renate Tepper, Sandra Brunner