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Das Interview  

Geradeaus und quirlig  

extraDrei sprach mit Halina Wawzyniak über ihre Ideen und den Bundesparteitag der LINKEN am 15.und 16. Mai 2010 in Rostock. Die 36-jährige Juristin wurde wieder zur Stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Sie ist Bundestagabgeordnete der LINKEN aus Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg-Ost:  

Halina, herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wiederwahl. 57,8 Prozent. Ein ehrliches Ergebnis nach einer ehrlichen Rede, oder?

Das klingt ein wenig nach Fangfrage. Aber sagen wir mal, ich bin gar nicht unzufrieden mit diesem Ergebnis.  

Welche Schwerpunkte wirst Du als stellvertretende Parteivorsitzende und Parteibildungsbeauftragte setzen, und was sind die Prinzipien Deiner Arbeit?

Zu den Prinzipien meiner Arbeit gehört es, Konflikte offen anzusprechen, anstatt sie auf der Gerüchteebene zu kultivieren und aufzubauschen, geschweige denn sie über die Medien zu inszenieren. Als stellvertretende Parteivorsitzende gilt es, ohne die eigene Position aufzugeben, immer die Gesamtpartei mitzudenken. Thematisch und programmatisch will ich mich vor allem um unseren Umgang mit der Geschichte und die Vermittlung zwischen unterschiedlichen Biographien einsetzen. Und die Netzpolitik, also für Freiheit und Offenheit im digitalen Zeitalter, insbesondere des Internets, liegt mir als Sachthema sehr am Herzen. Ich möchte außerdem gerne die strategische Debatte voranbringen und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit SPD und Grünen ausloten. Und selbstverständlich werde ich bei den kommenden Landtagswahlen für ein sehr gutes Ergebnis der LINKEN kämpfen.  

DIE LINKE wird Mitte Juni drei Jahre alt. Was gefällt Dir an ihr?

Die Kinderkrankheiten.  

Und welche sind das?

Es läuft eben nicht alles wie geschmiert, sondern es ruckelt sich alles noch zusammen. Das betrifft die Programmatik, die Verfahren, aber auch Personalfragen. So anstrengend das ist, macht es unsere Partei doch spannend und lebendig. Ich kann jedenfalls nicht sagen, dass mich DIE LINKE in den letzten Jahren mal gelangweilt hätte.  

Im Bundestag bist Du Mitglied im Rechtsausschuss. Welche Paragraphen reitest Du gerne?

Die § 218 und § 129a des Strafgesetzbuches (StGB) und § 31 Zweites Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). Also die Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch, zur Bildung terroristischer Vereinigungen und die Regelung zu Sanktionen beim Arbeitslosengeld II. Die will ich weghaben.  

Du hast mit drei Worten Deinen Wahlkreis beschrieben: Mythos. Bunt. Gegensätzlich. Hast Du Ende Mai bei Deinem Besuch von Projekten, Initiativen und Vereinen im Prenzlauer Berg dafür Bestätigung gefunden?

Also ich besuche die Vereine im Wahlkreis ja nicht nur im Mai, sondern war auch in den anderen Monaten schon unterwegs. Vor kurzem war ich in der Tucholsky-Bibliothek im Bötzow-Viertel. Dort gibt es großes Engagement, die Ausleihe auch mit Ehrenamtlichen weiterhin aufrecht zu erhalten. Das werde ich auch weiterhin unterstützen, indem ich der Bibliothek zwei dreijährige Zeitungsabos geschenkt habe. In Kreuzberg engagiere ich mich zum Beispiel beim Fussball-Mythos Türkiyemspor. Das ist ein Fußballverein, und kandidiere dort für den Aufsichtsrat. Das Gegensätzliche sehe ich zurzeit leider vor allem in der Wohnsituation der Bevölkerung. Da werden Lofts gebaut, in denen man sein Auto mit ins Bett nehmen kann und drei Straßen weiter werden die Mieterinnen und Mieter mit absurden Mieterhöhungen aus den Wohnungen verdrängt.  

Du liebst Schokolade, Fußball und die Insel Malta. Hast Du Zeit, diese Seiten des Lebens zu genießen?

Oh ja. Nach Malta fahre ich in den Sommerferien, und Schokolade ist ja zum Glück überall verfügbar. Für das wöchentliche Fußballtraining ist im Kalender immer ein Abend reserviert und da muss es dann schon sehr wichtige Termine geben, damit ich das absage. Mein Büro achtet schon darauf, dass immer mal wieder auch Freiräume im Kalender geschaffen werden, sonst wäre ich nach einem Jahr im Bundestag nicht mehr zurechnungsfähig.  

Und die mit Abstand wichtigste Frage zum Schluss: Wer wird Fußballweltmeister?

England. Allerdings werde ich dafür jetzt wieder von meinem Büro verhauen.  

Interview: Renate Tepper, Sandra Brunner  

Wahlkreisbüro: Mehringplatz 7, 10969 Berlin (Nähe U Hallesches Tor), Tel: 25 92 81 21