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Ihr wart super  


Diesen Satz witterte das Bündnis „1. Mai Nazifrei“ um 17.28 Uhr. Kurz danach stiegen die Rechtsextremen zurück in die S-Bahn. Der Protest von rund 10.000 Menschen hatte es geschafft, dass das klägliche Häufchen von 600 Neonazis mit stundenlangen Verspätungen nur 800 Meter weit auf der Bornholmer Straße kam und Umdrehen musste. Für die Nazis ist das die zweite Klatsche nach der Blockade in Dresden im Februar. Dass sie nicht weit kamen, ist dem Protest Vieler zu verdanken. Das Bündnis „Wir sind Pankow – tolerant und weltoffenen“, in dem die OASE im Interkulturellen Haus, LINKE, Grüne, SPD, die Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus und viele Andere organisiert sind, meldete schon vor Monaten Kundgebungen an den S-Bahnhöfen des Bezirks an. Pankows Bürgermeister Köhne (SPD) rief zur Blockade auf, wofür er sich böse Attacken von Medien und konservativen Parteien einhandelte. Am Vorabend des 1. Mai wurde die geplante Nazi-Route mit Plakaten „Berlin gegen Nazis“ dank einer Genehmigung des Bezirks zugepflastert. Anwohner der Bornholmer Straße übertönten topfschlagend auf Balkonen die rechte Propaganda. Familien, Autonome, Künstler und Politiker standen dicht gedrängt an der geplanten Nazi-Route – westlich der Bösen Brücke, in der Wisbyer Straße, am S-Bahnhof Schönhauser Allee, in der Wichertstraße. Von holländischen Touristen über die Mutter mit zwei Kindern auf dem Fahrrad bis zu empörten Senioren, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben und nun durch Polizeiabsperrungen in ihrer Meinungskundgabe gestoppt wurden, reichte die Schar. Mit Twitter-, Tickerdienst und Telefonaten informierten sie sich über die aktuelle Lage. Die kleinen Kundgebungen an den S-Bahnhöfen dienten als Leitstelle für neu ankommende Nazigegner. Trotz schlechter Informationspolitik von Versammlungsbehörde und Senat im Vorfeld des 1. Mai über die Nazi-Route, immensem Polizeiaufgebot, Sperren und teilweise rüden Polizeivorgehen gegen Protestierende hatte das Konzept des Bündnisses „1. Mai Nazifrei“ Erfolg. Die Kriminalisierung des bunten und breiten Protestes gelang nicht. Gegen 16.30 Uhr drehten die Nazis um. Großer Jubel im Prenzlauer Berg. Für Euer Engagement bedankt sich DIE LINKE. Ihr wart super.

Sandra Brunner
Stellvertretende Bezirksvorsitzende