Zurück zur Startseite

LINKE -Programmentwurf ist draußen  

Endlich  

Möge die Debatte beginnen. Schon die ersten Reaktionen machen deutlich, dass es mindestens zwei Strömungen in der Partei gibt: Für die einen ist der Programmentwurf kaum noch verbesserungsbedürftig, konsequent antikapitalistisch und radikal in der Positionierung gegenüber den anderen, als neoliberal gebrandmarkten Parteien. Der große Aufschlag zur Vergesellschaftung weiter Teile der Wirtschaft findet hier Unterstützung. Auf der anderen Seite melden sich Stimmen, die den Entwurf für unterkomplex halten und die Frage aufwerfen, ob Privateigentum tatsächlich nur aus einer Problemsicht reflektiert werden darf und ob es politisch hilfreich ist, sich selbst zum alleinigen Rächer der Enterbten zu erklären, allen anderen aber Devotheit gegenüber den Wirtschaftsmächtigen zu unterstellen. Dazu kommen Detailkommentare, wie etwa, dass die Landwirtschaft zu kurz komme, neue Arbeitsformen vernachlässigt würden und die Energiewende nicht intensiver in den Blick genommen werde. Das alles sind spannende Fragen und tatsächlich sollten wir mit dem jeweils Andersdenkenden diskutieren, um uns nicht in Trutzburgen hineinzudebattieren. Es führt wahrscheinlich weiter, unter der Annahme miteinander zu diskutieren, dass möglicherweise man selbst es ist, der irrt, und den anderen nur noch nicht verstanden hat. Zumindest das Bemühen, die Herleitung der Abweichung in der Anschauung des anderen zu verstehen, sollte uns bei der Diskussion begleiten. Dann wird es mehr als ein Kampf der Anschauungen und die Programmdiskussion könnte zum Zusammenwachsen der Partei einen wirkungsvollen Beitrag leisten. Das wünsche ich mir in Pankow, in Berlin und bundesweit. Es wird uns  mit Blick nach vorn auch gar nichts anderes übrig bleiben. Wer erlebt hat, wie das vermeintliche Volkseigentum zur organisierten Verantwortungslosigkeit führte, hat einen anderen Zugang zur Eigentumsfrage, als jene, die nichts als die die kapitalistische Profitwirtschaft kennen. Dies gilt es transparent zu machen. Denn es sind nicht immer nur die logischen Herleitungen, die uns zu unseren Überzeigungen führen, sondern oft viel stärker der biographische Hintergrund. Sind wir hierin ehrlich miteinander, können wir ohne Schaum vorm Mund mit Interesse an den Überzeugungen der anderen nach den tragenden Gemeinsamkeiten suchen.

Sören Benn
Bezirksvorsitzender