Der Vogel hebt nicht ab
In den nächsten Wochen könnte eine Idee begraben werden, die in den letzten acht Jahren für kühne Höhenflüge und reichlich Aufregung in der Pankower Kommunalpolitik gesorgt hat. Die Rede ist vom Life-Science-Center (LSC), das um die Jahrtausendwende von Bucher Akteuren um den Forschungscampus als touristisches Glanzstück der Wissenschaftsvermittlung erdacht wurde und nach Fertigstellung jährlich 300.000 Besucher in den etwas entlegenen Ortsteil Pankows locken sollte. Von Anfang an stellte sich die Frage der Finanzierung und nach dem die Bucher Erfinder mit ihrem Antrag auf Förderung nicht zum Zuge kamen, erbot sich das Bezirksamt im Jahr 2002, gedrängt durch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV), das Vorhaben zu unterstützen. Begleitet von freundlichen Worten mehr oder weniger zuständiger Senatsverwaltungen nahm die Geschichte ihren Lauf und verhalf über die Jahre einer Reihe von Bezirkspolitikern und Verwaltungsmitarbeitern zu Expertenwissen in Sachen Life-Science, zu diversen Fördertöpfen in Bund und EU, über Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Ausschreibungsmodalitäten und die Bedeutung von Interessenbekundungen und Absichtserklärungen. Obwohl Ort und bauliche Gestalt wechselten - vom kompletten Neubau in Bahnhofsnähe zum denkmalgerechten Umbau des maroden Waldhauses- schien immer klar, dass 22 bis 30 Millionen Euro, davon ca. 20 Millionen Euro Fördermittel für touristische Infrastruktur, zur Errichtung des LSC reichen sollten. Trotz der offensichtliche Überdehnung bezirklicher Zuständigkeiten und des Risikos, sich mit dieser Sache vollständig zu überheben und den Bezirk bei Unwirtschaftlichkeit der Haftung auszusetzen, drängte eine Mehrheit von SPD- und CDU-Verordneten das Bezirksamt 2009 den Fördermittelantrag an die Senatsverwaltung für Wirtschaft zu stellen. Eine erste wohlwollende Prüfung ergab, dass das LSC als „touristische Basiseinrichtung“ grundsätzlich strukturpolitisch wünschenswert sei. Offen blieb eine Reihe von Fragen zur Kostenplausibilität, Wirtschaftlichkeit und Trägerschaft. Verabredet wurde die bis dahin vermutete grundsätzliche Förderfähigkeit durch den Bund zu prüfen. Seit Ende Januar ist nun bekannt, dass die erhoffte Förderung nicht erreicht werden kann. Der Bezirksbürgermeister möchte diese Situation in einer Sitzung des Steuerungsausschuss Buch thematisieren, da dort auch die Senatsverwaltungen teilnehmen, die bisher die Idee vom LSC befeuert haben. Ob es noch mal gelingt, das inzwischen zu Forscherschloss und Geniefabrik mutierte LSC zum Fliegen zu bringen, muss abgewartet werden. Eine Bruchlandung könnte dem Bezirk und dem Land Berlin einigen Ärger bescheren.
Burkhard Kleinert
Bezirksverordneter