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Haltet euer Herz bereit

Im Einheitsjahr 2009 überschlugen sich die Verlage mit einschlägigen Veröffentlichungen. Der Geist der Einheit wabert durch die Regale der Buchhandlungen. Die 33jährige Jana Hensel, deren "Zonenkinder" lange die Bestseller-Listen anführten, mischt sich mit "Achtung Zone - Warum wir Ostdeutschen anders bleiben sollten" unter die, die die Gunst des Jubiläums nutzten. Hensels Behauptung, dass Ostdeutsche und Westdeutsche nun mal nicht gleich sind, weil durch andere Erfahrungen geprägt und damit durch eine eigene Identität, ist der rote Faden dieses Buches. Emsig und mit etlicher Larmoyanz häkelt die Autorin daran. Nein, ich kann den oft langatmigen Betrachtungen nicht all zu viel abgewinnen. Und dass sie die sattsam bekannte unendlich traurige Stasi-Geschichte der Schauspieler Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe seitenweise ausbreitet und benutzt, - ja, wozu eigentlich? - macht das Missvergnügen an dieser Lektüre komplett (Verlag Piper, 192 S., 14,95 Euro). Einen ganz anderen Blick auf dieses Andersein gestattet Maxim Leo in "Haltet euer Herz bereit" dem Leser. Er taucht ein in die Geschichte seiner Familie. Einer ostdeutschen. Mütterlicherseits kommunistischer Hochadel - geadelt mit illegaler Arbeit im Widerstand, jüdischen Wurzeln, glasklaren Überzeugungen, Aufbauväter der DDR. "Die Familie von Maxim Leo war wie eine kleine DDR", heißt es auf dem Cover. Glaube, Hoffnung, Liebe, dazu Zweifel, Trostlosigkeit, Hass. Denn wenn dann der eigene Vater in der Küche rummotzt, die DDR zum Verbrecherstaat erklärt, muss ein Jugendlicher das erst einmal aushalten können. Eine Familie wie dieses ganze untergegangene Land: Der Traum vom kommunistischen Ideal und die so ganz andere Wirklichkeit prallen voller Wucht aufeinander. Das Traumland der Väter kann nie und nimmer das Traumland ihrer Enkel sein. Maxim Leo blickt unverstellt auf eigenes Erlebtes, Erzähltes und auf die Dokumente aus Archiven (Karl Blessing Verlag, 272 S., 19,95 Euro).

Gisela Blank