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17.11.2009 Marion Seelig zum Start der Modrow-Regierung am 17. November 1989

Zwanzig Jahre nach der Modrow-Regierung

Symposium der Rosa Luxemburg Stiftung in Kooperation mit der Fraktion DIE LINKE. im Abgeordnetenhaus von Berlin, Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin und Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg

Dienstag, den 17. November 2009, ab 17 Uhr im Bärensaal des Alten Stadthauses in Berlin

Nach einer einführenden Rede von Florian Weiß (geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung), in der u. a. die Grüße des frisch wieder gewählten Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck übermittelt wurden, führten Prof. Dr. Siegfried Prokop und Dr. Gabriele Lindner mit Referaten zum Zustandekommen der Modrowregierung am 17 November 1989 ein.

Dem folgte eine überaus interessante Podiumsdiskussion mit Hans Modrow, Christa Luft, Marion Seelig und Gregor Gysi. Moderiert von Detlef Nakath einem Historiker mit dem Spezialgebiet Deutsche Zeitgeschichte und Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg rückten die Geschehnisse dieses bewegten Herbstes 89 wieder näher ins Bewusstsein aller Zuschauer.

Hans Modrow legte dar, wie unvorbereitet und überraschend ihm nach dem Rücktritt der Krenzregierung dieser Schritt nahe gelegt wurde. Er verfügte als erster Sekretär der SED in Dresden bis dato noch über keinerlei Regierungserfahrung, zumindestens auf nationaler Ebene. Doch in relativ kurzer Zeit schaffte es Modrow, im Gegensatz zu seinen kopflosen Vorgängern, jene Prozesse verantwortungsvoll voranzutreiben, die sich nach dem Mauerfall, als im Endeffekt unumkehrbar erwiesen. Seine Regierung bereitete die ersten freien und geheimen Wahlen für die Volkskammer vor, und stellte so wie es die Menschen in der DDR von ihm verlangten, die deutsche Einheit auch nicht mehr in Frage.

Hans Modrow bemühte sich darum das ihm hinterlassene Chaos in geordnete Bahnen zu bringen. Er setzte sich für eine geordnete Übergabe der Amtsgeschäfte an den späteren, ersten, frei gewählten DDR Ministerpräsident Lothar de Maizière ein. Für Modrow war es wichtig, dass die DDR als Souverän in die BRD überginge.  Mit den Vertretern des zentralen Runden Tisches verständigte er sich darauf, dass auch sie Minister (ohne Geschäftsbereich), in sein Übergangskabinett entsenden konnten (u. a. Matthias Platzeck). 

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde die Bedeutung des 9. November und sein kurioses Zustandekommen durch die Pressekonferenz mit Günther Schabowski rekonstruiert. Christa Luft, als ehemalige Wirtschaftsministerin der Modrowregierung sprach über unterschiedlichen Einschätzungen bezüglich des DDR Staatsdefizits. Gregor Gysi berichtete über das Chaos in den SED Parteistrukturen, die kurz vor der Auflösung standen. Marion Seelig resümierte, wie die Entwicklung Tag für Tag voranschritt, auch durch eine gewisse Ignoranz der Bürgerrechtsbewegung bedingt, die die eigentlichen Bedürfnisse der DDR-Bevölkerung nicht wirklich wahrnahm, was unweigerlich erst zur Einführung der D-Mark und später zur deutschen Einheit führte.