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18.11.2009 Marion Seelig zu Gast in ihrem Ortsverband Bötzowviertel

Stadtgespräch zum Projekt Gemeinschaftsschule

Stadtgespräch am Mittwoch den 18. November 2009 in der Betroffenenvertretung Käthe-Niederkirchner-Straße 12, Beginn 19 Uhr

Thema: Gemeinschaftsschule

Gäste: Dr. Elke Rose, Mitarbeiterin im Bereich Schulpolitik in der Fraktion DIE LINKE im Abgeordnetenhaus von Berlin

 


Thema des alle zwei Monate stattfindenden Stadtgesprächs war die aktuelle Diskussion über den Stand des Präferenzprojekts Gemeinschaftsschule vor dem Hintergrund der durch die Rot- Rote Koalition beschlossene  Einführung der Sekundarschule für das Schuljahr 2010/11. Haupt-, Real- und Gesamtschulen in Berlin werden, auch wenn sich einige Bezirke noch dagegen wehren, in Zukunft in einem neuen  System, welches  der Entwertung der mittleren Reife entgegen wirken soll, vereint sein.  

Die Gemeinschaftsschule bleibt als Pilotprojekt weiter bestehen. Sechzig Schulen hatten sich seit 2007 gemeldet, leider keine Gymnasien. Die vorgesehenen Mittel von 20 Millionen Euro sind schon fast aufgebraucht und trotzdem würde auch zu Beginn der nächsten Legislaturperiode, ganz unabhängig von einer anderen Regierungskonstellation, die Gemeinschaftsschule als Projekt erstmal weiter bestehen bleiben.

Jetzt geht es für DIE LINKE vor allem darum, auch die Sekundarschule attraktiv zu machen, in dem  z. B. die Möglichkeit geschaffen wird an ihr ein ordentliches Abitur abzulegen.

Schon in der Koalitionsvereinbarung von 2006 hatte man sich darauf verständigt, in Form einer Pilotphase, den Einstieg in die Gemeinschaftsschule voranzutreiben. In der Gemeinschaftsschule sollen alle Kinder möglichst lange gemeinsam lernen, was im Gegensatz zum jetzigen, stark nach dem Einkommen der Eltern selektierenden Schulsystem, zu mehr Integration gerade von bildungsfernen Schichten führen würde. Gesamtgesellschaftlich vernünftig wäre eine solche Vereinheitlichung, auch wenn nur auf Länderebene, allemal.

Nur wie immer, ist DIE LINKE die einzige Partei, die sich nachhaltig Gedanken darüber macht, wie man auch in Deutschland ein modernes, den Ansprüchen einer Wissensgesellschaft genügendes Schulsystem möglich machen könnte. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass alle anderen Parteien sich ein Schulsystem ohne das Gymnasium als Überbleibsel einer längst überholten, ständischen Elitenbildung, die in Deutschland leider eine unselige Tradition hat, nicht vorstellen können.

Und so wird sich niemand weiter darüber wundern, dass auch nach einer der nächsten Pisastudien, alles beim Alten bleibt. Vielleicht kann man dann und wann, falls notwendig, hier und da, die eine oder andere Hauptschule (Campus Rütli) puschen, um sich ernsthaft einzureden, es funktioniere. Hauptrezept hierfür ist es einfach genug Sozialarbeiter zu engagieren, die dann das Image der Hauptschule anheben, das natürlich unter Einsatz vieler Steuergelder, welche ja bekanntlich vom Himmel fallen. Das Ergebnis kennen wir. Ändern tut sich dadurch leider überhaupt nichts.

Bildung ist in Deutschland Ländersache und so fast auch nicht reformierbar. Nur ein einheitliches, nationales Bildungssystem, wie es in vielen Staaten Europas verbreitet ist, bietet die Möglichkeit, über Bezirksgrenzen hinweg, ein Schulsystem den neuen Gegebenheiten der Zeit anzupassen.  Die Gemeinschaftsschule existiert in teilweise abgewandelten Formen fast überall in Europa.  Dass man eigentlich auf diesem Gebiet keine Erfahrungen mehr machen müsste (Pilotprojekt) ist auch jedem bewusst. Weder Frankreich, Großbritannien, Spanien oder Italien, die auch ihre ganz eigenen Probleme mit ihren jeweiligen Schulsystemen haben, würden auf die Idee kommen, ihre Kinder nach der vierten, fünften oder sechsten Klasse zu selektieren. Die Pisa-Studie hat wiederholt gezeigt, welchen Spitzenplatz Deutschland, zumindest in dieser ausgrenzenden Disziplin, einnimmt. Die Sekundarschule stellt gegenüber dem alten System eine erhebliche Verbesserung dar. Trotzdem bleibt die Einführung der Gemeinschaftsschule, ohne die Konkurrenz der Gymnasien, als einziges staatliches Bildungsangebot, alternativlos. Privatschulen gab und wird es immer geben. Ein staatliches Schulsystem hat hingegen die Aufgabe allen Menschen ein gutes, kostenloses, breites Bildungsangebot zu garantieren. Davon sind wir, auch in Berlin, leider noch meilenweit entfernt.