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24.02.2017 Kołobrzeg

Der Weg der Freiheit, der Demokratie und der europäischen Integration

Rede zur Galaveranstaltung

[ Dt. Manuskript – Es gilt das gesprochene poln. Wort. ]

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Stadtpräsident,

herzlichen Dank für die Einladung in ihre schöne Stadt. Ich werde versuchen polnisch zu sprechen und bitte um Nachsicht für Fehler.

In Berlin wurde im letzten September gewählt. Und so stehe ich heute als neuer Bürgermeister von Pankow vor Ihnen und überbringe Ihnen die Grüße unseres Stadtbezirkes und seiner Bürger. Mich verbindet mit ihrem Land eine lange Verbundenheit und so freue ich mich auch persönlich, dass meine Vorgänger diese Städtepartnerschaft ins Leben gerufen und ausgestaltet haben. Ich werde mich bemühen, daran anzuknüpfen.

Städtepartnerschaften und insbesondere lebendige Städtepartnerschaften werden wohl in der näheren Zukunft wieder wichtiger werden, als wir uns das noch vor einigen Jahren vorstellen konnten. Europa und die europäischen Bevölkerungen sind verunsichert von den Entwicklungen in dieser Welt. Statt näher zusammen zu rücken und gemeinsame Probleme solidarisch zu lösen, nutzen populistische politische Kräfte die Sorgen der Menschen und befeuern ihre Ängste. Angst ist aber weder im privaten noch im politischen Leben ein guter Berater. Und wie im Persönlichen auch, kann man Ängste nur auflösen, wenn man sich ihnen zuwendet. Wer sich von der Angst treiben lässt, ist nicht mehr selbstbestimmt, sondern Spielball seiner Ängste. Er löst die Probleme nicht, sondern verdrängt sie, mauert sich ein und sucht Sündenböcke. Er neigt zur Metaphsyik und zur Dämonisierung.

Wir Europäer waren lange Zeit Stolz auf unsere Tradition der Aufklärung. Das Wort Vernunft hatte einen guten Klang. Versöhnung und Verständigung wurden selbstverständliche Formen des Umgangs miteinander. Heute stehen wir vielfach vor einem Scherbenhaufen. Ressentiments werden geschürt. Der Nationalismus ist als Zombie wieder auferstanden. nationaler Egoismus siegt über das Bewusstsein davon, dass der Frieden in Europa nur zu erhalten ist, wenn wir eigene Interessen mit den Interessen anderer in Ausgleich bringen. Um so wichtiger ist es, wenn wir auf der Ebene der Kommunalpolitik uns nicht hineinziehen lassen in die Polemik der Populisten, wenn wir kühlen Kopf bewahren und Begegnungen organisieren, die Jugend zueinander bringen, die Geschichte lebendig halten. Wenn die Hohen Herren und Damen versagen und die Völker gegen einander in Stellung bringen, dann ist es unsere Aufgabe dem von unten etwas entgegen zu setzen. Es gibt keine natürlichen Antagonismus der Völker. Es gibt nur die Antagonismen der Herrschenden.

Mein Land hat in den letzten Jahren einige große Fehler gemacht, in dem es seine wirtschaftliche Potenz zu seinem Vorteil auf dem Rücken vor allem der südeuropäischen Länder ausgenutzt hat. Das hat Europa geschadet. Es hat an einer anderen entscheidenden Stelle etwas richtig gemacht. Es hat die Grenzen nicht geschlossen, sondern vielen Hilfesuchenden Schutz gewährt. Und ja, wir schaffen das. Es macht uns nicht ärmer, sondern reicher. Es bedroht unsere Kultur nicht, sondern es fügt ihr ein weiteres Kapitel hinzu. An den Herausforderungen werden wir wachsen. Man muss diese Position nicht teilen. Sie entspricht nur meinem täglichen Erleben.

Mein Eindruck von Polen war immer der eines Landes, das sich als originärer Teil Europas gesehen hat – schon im Widerstand gegen die kommunistische Diktatur und die Dominanz des sowjetischen Modells. Polen kam mir immer freier, liberaler und selbstbewußter vor, als die kleine DDR, aus der ich stamme.

Welchen Weg ihr Land auch immer gehen wird. Ich hoffe, es ist der Weg der Freiheit, der Demokratie und der europäischen Integration, ich hoffe es bleibt der gemeinsame Weg.

Pankow und Kołobrzeg werden diesen Weg sicher gehen.

Unterzeichnung des Arbeitsprogramms 2017 im Büro des Stadtpräsidenten Gromek