Zurück zur Startseite

13.09.2017

Willner Brauerei als Kunst- und Kulturstandort erhalten und entwickeln

Ds. VIII-0263

Gemeinsamer Antrag der Linksfraktion, der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen und der SPD


Die BVV möge beschließen:

Die BVV Pankow spricht sich für die Erhaltung und Weiterentwicklung des Kunst- und Kulturstandortes auf dem Gelände der ehemaligen Willner-Brauerei in der Berliner Straße 80 bis 82 aus.

Dazu soll das Bezirksamt Verhandlungen mit den neuen Eigentümer mit dem Ziel aufzunehmen, möglichst viele der vorhandenen Nutzungen sowie der etablierten Angebote und Qualitäten zu erhalten. Auf diesem Weg soll auch ein mit den wesentlichen MieterInnen abgestimmtes Gesamtkonzept für eine behutsame Weiterentwicklung erstellt werden. 

Die Nutzung des Gesamtareals soll auf die Bestandteile Gastronomie, Büro- und Atelierräume sowie Flächen für Kunst und Kultur ausgerichtet bleiben. Die BVV Pankow spricht sich zugleich gegen die weitere Verdichtung des Geländes insbesondere durch Neubauten auf den vorhandenen Frei- und Verkehrsflächen aus. Die Errichtung von Einzelhandel und die Schaffung von allgemeinem Wohnraum sind an diesem Ort nicht sinnvoll und werden von der BVV Pankow abgelehnt.

Gleichzeitig ersucht die BVV Pankow das Bezirksamt zu prüfen, ob und wie die vorhandenen Nutzungen sowie die Frei- und Verkehrsflächen planungsrechtlich, z.B. durch die Aufstellung eines Bebauungsplans, gesichert werden können.

BEGRÜNDUNG:

Seit Oktober 2012 wird das ehemalige Brauereigelände für Kunst, Kultur und Gastronomie unter dem Label WBB für Willner-Brauerei-Berlin genutzt. Konzeptionell ist das WBB für alle künstlerischen Disziplinen wie Performance, Bildende Kunst, Theater, Installation, neue Medien, Fotografie, Sound/Music-Design, Fashion und Architektur offen. Das WBB vermietet zudem Büroräume, Werkstätten und Ateliers an professionell arbeitende Künstler, Kunsthandwerker und Kreative. Das Projekt hat die Bestandteile Gastronomie, Büro- und Atelierräume sowie Flächen für Kunst und Kultur. Die Flächen wurden von den MieterInnen weitgehend selbst hergerichtet. Diverse Eigenproduktionen, Ausstellungen, Kinovorführungen und Installationen wurden veranstaltet. Teilweise wurden auch Firmenveranstaltungen ausgerichtet.

Das Gelände hat sich in den letzten fünf Jahren zu einem wichtigen Kultur- und Atelierstandort entwickelt und wird aus der Nachbarschaft sehr gut mit seinen Freizeit-, Gastronomie- und Kulturangeboten angenommen. Es stellt somit einen wichtigen Identifikationsort für Pankow-Süd und den gesamten Bezirk dar. Hier besteht noch Raum für Kultur- und Kunstschaffende, die anderenorts keine geeigneten und finanzierbaren Räumlichkeiten mehr finden. Somit wurden viele Arbeitsmöglichkeiten und auch Arbeitsplätze geschaffen. Derzeit sind die folgenden Ateliers und Büros auf dem Gelände vorhanden:

Alexis Demetriades, Scientific Illustration

atelier julia späth, Malerei und Illustration

Channel Coffee Coffee roastery, Coffee school

Dittmar + friends, Interior Design und Produktion

MORETTI Fahrradmanufaktur Jan Hendrik Heitmann

jottstudio Grafik, Konzept, Design, Dipl.-Des. Jennifer Hübner

kaetha Fotografie, Hannah Goldstein, Katja Haustein

Atelier M NM O, Innenarchitektur und Möbeldesign

Livia Polidoro, Hand made ceramics

Media Kantine Creative House / Foto, Film & Graphic-Produktion

Mijita Schmuckhandwerk, Mareen Ledebur

Maayan Iungman, Puppen & Objekttheater

Felix Oberhage Fotografie

Ottonella Mocellin & Nicola Pellegrini Künstler

Pablo Ruiz Holst Fotografie

Schön und Middelhaufe Studio für Gestaltung

Teleporter Music Künstlermanagement, Stephan Hengst

Stefan Wieland Fotografie

Der Ausschuss für Kultur und Weiterbildung der BVV Pankow hat sich intensiv mit dem WBB beschäftigt. So wurde das Projekt bei den Ausschusssitzungen am 15.10.2013 und am 07.06.2016 vorgestellt und intensiv beraten. Die Projektvisionen und erfolgreiche Umsetzung sind der BVV Pankow somit vertraut und bekannt. Vor diesem Hintergrund ist der BVV Pankow die Verstetigung der Ziele und Ideen des Gesamtprojektes Willner-Brauerei besonders wichtig. Die Mischung aus Gastronomie, Büro- und Atelierräumen sowie Kunst und Kultur hat sich bestens bewährt. Möglichst viele Komponenten des ursprünglich nur als Zwischennutzung angelegten Projektes sollen deshalb dauerhaft erhalten werden. Dafür soll sich das Bezirksamt einsetzen und gegebenfalls auch planungsrechtliche Schritte begehen, insbesondere zur Sicherung der Frei- und Verkehrsflächen.

Diese vorhandenen Frei- und Verkehrsflächen gehören seit der Errichtung zum Erscheinungsbild des Brauereigeländes und stellen besondere und schützenswerte städtebauliche Qualitäten dar. Zugleich würde die Überbauung erhebliche Einschränkungen der wichtigen Außennutzungen mit sich bringen. Das Erscheinungsbild würde sich grundlegend verändern. Das beeinträchtigt auch die Wahrnehmungsmöglichkeiten der denkmalgeschützten Gebäude. 

Die Versorgung mit Einzelhandel ist in diesem Quartier als sehr gut zu bezeichnen. Die Errichtung von Wohnungen führt zwangsläufig zum Verlust anderer Nutzungen. Die Effekte für den Wohnungsmarkt sind aber nur gering und wiegen den Verlust der anderen Nutzungen folglich nicht auf. Eine dementsprechende bauliche Verdichtung ist an diesem Ort daher abzulehnen. Der Standort soll deshalb vor allem für Gastronomie, Kunst und Kultur sowie Atelier- und Büronutzung gesichert werden.